Kein genereller Entfall des objektiven Zurechnungszusammenhangs bei nicht indizierter Entscheidung eines Arztes

OLG Hamm, Urteil vom 03.12.2013, Az.: 9 U 69/13

 

Der objektive Zurechnungszusammenhang zwischen schädigendem Ereignis und Verletzungsfrage (hier: nicht indizierte Entscheidung des Arztes zur Entfernung eines nach vorangegangenem Tritt des Schädigers in den Genitalbereich des Geschädigten verletzten Hodens) wird durch das fehlerhafte Verhalten des behandelnden Arztes nicht unterbrochen. Voraussetzung hierfür ist, dass der Arzt nicht in außergewöhnlichem Maße die an ein gewissenhaftes ärztliches Verhalten zu stellenden Anforderungen außer Acht gelassen und gegen alle ärztlichen Regeln und Erfahrungen verstoßen hat. Dem Schädiger werden auch Fehler der Personen zugerechnet, die der Geschädigte zur Abwicklung oder Beseitigung des Schadens hinzuzieht. Hierunter fallen grundsätzlich auch Folgeschäden, die während der Behandlung durch ärztliche Kunstfehler entstehen.