Aufklärungspflicht bei Hämorridenbehandlung umfasst nicht Risiko einer potentiell tödlichen Sepsis

OLG Karlsruhe, Urteil vom 09.04.2014, Az.: 7 U 124/12

 

Ein Arzt ist vor Durchführung eines ärztlichen Heileingriffs (hier: Hämorridenbehandlung) nicht verpflichtet, den Patienten über außergewöhnliche und fernliegende Risiken (hier: einer potentiell tödlichen Sepsis) aufzuklären. Der Patient ist grundsätzlich über das zwar seltene, aber eingriffstypische, nämlich spezifisch mit der Art des Eingriffs verbundene Risiko von Infektionen aufzuklären. Der Umstand, dass sich eine solche Infektion zu einer Sepsis mit schwerwiegenden und sogar tödlichen Folgen entwickeln kann, ist so außergewöhnlich und fernliegend, dass er weder für die ärztliche Therapieentscheidung noch für die Selbstbestimmung des Patienten von Bedeutung ist. Im vom OLG Karlsruhe entschiedenen Fall ist die Sepsis erst dadurch entstanden, dass der Heileingriff infolge einer beim Eingriff noch nicht diagnostizierten genetisch bedingten Gerinnungsstörung zu einer Venenthrombose und einer fortschreitenden Thrombosierung der unteren Rektumwand führte. Derartige Komplikationen sind äußerst selten.