Injektionsbehandlung ohne bildgebende Diagnostik

OLG Hamm, Urteil vom 04.12.2015, Az.: 26 U 32/14

Das Unterlassen einer zwingend notwendigen Befundung ist ein grober Befunderhebungsfehler. Ein solcher liegt vor, wenn eindeutig gegen bewährte ärztliche Befundungsregeln oder gesicherte medizinische Erkenntnisse verstoßen wird und dieser Fehler aus objektiver ärztlicher Sicht nicht mehr verständlich erscheint, weil er einem Arzt schlechterdings nicht unterlaufen darf. Bei persistierenden Beschwerden ist eine Injektionsbehandlung grob fehlerhaft, wenn keine bildgebende Diagnostik erfolgt. Für einen Facharzt drängt sich bei einem Sturzereignis, die röntgenologische Befundung als absoluter Standard gerade zu auf. Wird bei einer Cortisioninjektion ein Frakturspalt übersehen, so kann darin ein grober Behandlungsfehler liegen. Für einen acht Monate erforderlichen Krankenhausaufenthalt mit eingetretener Sepsis, Multiorganversagen, multiplen Abszessen und einer Langzeitbeatmung kann ein Schmerzensgeld von 100.000,- Euro angemessen sein.