Keine Beweislastumkehr wegen groben Behandlungsfehlers bei Hygienemangel im Krankenhaus

OLG Hamm, Urteil vom 17.08.2015, Az.: 3 U 28/15

 

Eröffnet ein Krankenhauspfleger eine Abszedierung an der Hand einer Patientin und trägt er dabei Handschuhe, mit denen er zuvor die Türklinke des Krankenzimmers berührt hatte, so stellt dies einen Hygienemangel dar. Die Patientin hat allerdings hieraus keinen Anspruch auf Schadensersatz oder Schmerzensgeld, wenn sie nicht darlegen und beweisen kann, dass der später eingetretene Gesundheitsschaden in Form einer Diszitis auf die unsachgemäße Behandlung zurückzuführen ist. Dies ist der Fall, wenn die Möglichkeit besteht, dass die Patientin bereits bei Aufnahme in das Krankenhaus eine Infektion im Körper gehabt haben könnte, die zu dem späteren Gesundheitsschaden geführt hat. Eine Beweislastumkehr nach den Grundsätzen über den groben Behandlungsfehler kommt der Patientin nicht zugute, da der festgestellte Verstoß gegen den hygienischen Standard nicht als grob bewertet werden kann.